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1

Montag, 3. Juli 2006, 13:11

Ist die Serie die richtige für mich?

Ich habe jetzt die ersten 300 Seiten von Gardens of the Moon durch.

Nachdem die Brückenverbrenner vorgestellt wurden und auch die Einwohner in der letzten freien Stadt schwenkt die Handlung erneut um zur Mandata.

Bleibt das so mit den unzähligen Handlungssträngen? Für gewöhnlich bin ich ein Fan von Feist, Weis/Hickman etc, mag aber auch military-Fantasy.

Was darf ich noch erwarten? Was folgt in den restlichen Büchern der Serie?

Wird es grosse Schlachten geben (bisher war ja nur ein Rückblick auf eine Schlacht bei Fahl)? Zweikämpfe? Abenteuer und Reisen? Oder bleibt das ganze eher bei der Beschreibung von zynischen Charakteren...

maschine

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2

Montag, 3. Juli 2006, 14:08

Naja, GotM nimmt nur recht langsam fahrt auf, die meisten Leute werden erst von Deadhouse Gates richtig überzeugt..

Was man von den Büchern erwarten kann..hm, vieles *g*
Meist hast du in den Bücher ein oder zwei Abenteuergruppen (also kleine Gruppen, die auf einer Art Quest sind), mit entsprechenden Abenteuern und Zweikämpfen, sowie eine Militärkampagne (mit entsprechenden Schlachten).
Wobei du aber zB in House of Chains auch einen Barbaren-Subplot a la Conan hast.
An Haupterzählperspektiven hast du dann eine pro Abenteuergruppe, eine aus Sicht der Soldaten und eine aus sicht der Anführer, manchmal auch noch eine aus Sicht der Gegner.
Alles in allem hast du also pro Band ca. 4 bis 5 Haupterzählperspektiven.

Ob das jetzt etwas für dich ist kann ich nicht sagen, da ich weder Feist noch die Drachenlanze-Bücher gelesen habe :nixweiss:

Aber wenn dir Epic Fantasy gefällt, dann dürfte die Reihe was für dich sein
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Threepwood

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3

Montag, 3. Juli 2006, 14:58

RE: Ist die Serie die richtige für mich?

Zitat

Original von Modain
Bleibt das so mit den unzähligen Handlungssträngen?


Um maschines Beitrag noch was hinzuzufügen: Die anderen Bücher weisen vergleichbar viele Handlungsstränge auf wie das erste, wobei teilweise nochmal ein Handlungsstrang aus der Sicht von verschiedenen betzeiligten Personen beschrieben wird. Außerdem sollte man vielleicht noch explizit sagen, dass die Haupthandlungsstränge teilweise von Buch zu Buch völlig unterschiedlich sind. Trotzdem spielen sie - wie die Handlungsstränge innerhalb eines Buches - alle in der gleichen Welt und tragen zu der großen Handlung bei. Also alles sehr gewöhnungsbedürftig, aber in meinen Augen auch sehr lohnenswert.


Gruß,

Threepwood

frenchfries

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4

Montag, 3. Juli 2006, 15:41

Man darf kein Anhänger klarer Fronten sein. In der malazanischen Welt gibt es viel Tragik und wenig Erlösung. Zwar holt der Fluch der bösen Tat die Verbrecher oft ein, aber wer ein hübsches Gut-Böse-Schema erwartet, wird enttäuscht. Allenfalls gibt es sympathisch-unsympathisch, wobei dann manche Unsympathischen auf der "richtigen" Seite stehen. Nur: welches ist die richtige Seite? Das frage ich mich alle paar hundert Seiten...

Und genau deshalb bin ich so entzückt. Oder gepackt. Ich bin gerade fertig mit Deadhouse Gates, dem englischen zweiten Band (deutsch Band 2 und 3) – und ich hatte mehr als einmal feuchte Augen. Denn was es zuhauf gibt, ist Heldenmut und Aufopferung. Erikson hat irgendwo gesagt, dass Opfer und Tod und Verbrechen und Gewalt für ihn "human" einen Sinn machen müssen. Obwohl seine Welt also viel zynischer ist als etwa die eines Feist, ist sie nicht durchsetzt von sinnloser Gewalt – und wenn sie einmal verübt wird, dann rächt die sich eines Tages oder erfüllt irgendwo, irgendwann, eine Aufgabe.

Soweit zum Philosophischen. Die Erzählweise ist jene von modernen Spielfilmen oder Serien. Erikson selbst vergleicht sie gern mit der von Thrillerautoren wie Tom Clancy: eine Vielzahl wechselnder Sichtweisen, die alle einem grossen Finale zustreben. Meine Erfahrung ist: es werden zu Ende des Buches immer weniger, weil viele Erzählstränge sich treffen.

Maschine hat völlig Recht: Du weisst erst nach Deadhouse Gates, ob du "hooked" bist (ich weiss es jedenfalls :) ). Gardens erscheint mir im Nachhinein geradezu als Spaziergang. Naja, fast. Man muss viel guten Willen aufbringen, wenn man nicht ohnehin Freude an einer Menge Handelnder und an vielen losen Enden hat. Mich stört es prinzipiell nicht, wenn eine Geschichte sich mir nicht sofort erschliesst und mich im Dunkeln tappen lässt, ganz im Gegenteil. Die Fantasy, die ich bisher kannte, war meist linear, glasklar, einfach gestrickt: Held wird vorgestellt – am Horizont erscheint die "dunkle Gefahr" – Held trifft seine Kumpels – Auftrag wird gefasst – lauter Trolle, Drachen, Orks und sonstigen Verkehrshindernisse – Dunkelbösewichtmeisterzauberer wird gestürzt. Fertig.

Wo Erikson hin will, weiss ich immer noch nicht. Und gerade dass gefällt mir.
"Kallor said: 'I walked this land when the T'lan Imass were but children. I have commanded armies a hundred thousand strong. I have spread the fire of my wrath across entire continents, and sat upon tall thrones. Do you grasp the meaning of this?'
'Yes,' said Caladan Brood, 'you never learn.'"

maschine

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5

Montag, 3. Juli 2006, 16:03

Vor allem sollte man auch noch einmal die Welt löblich erwähnen - oder besser gesagt die Herangehensweise an sie.

Denn nicht wie in anderen Büchern weiß man direkt nach den ersten 2 oder 3 Kapiteln wie die Welt aufgebaut ist oder funktioniert, nein, man erforscht sie im Prinzip und entdeckt sie Stück für Stück.
Und jedesmal wenn eine Frage beantwortet wurde (Wer ist der Kerl? Warum hat der jetzt so gehandelt? Was sind das für Wesen?) tauchen gleich wieder zwei neue auf...dadurch wird das Ganze nicht nur furchtbar spannend und interessant, es gibt der Welt auch einfach eine gewisse Substanz und Tiefe (zB wie bei Tolkien, bei dem man auch in die Welt gesogen wird und die ganzen Geschichten erfahren will, die hinter den Völkern, Ruinen usw stecken)
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Anomandaris

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6

Montag, 3. Juli 2006, 17:55

Zitat

Original von maschine
Vor allem sollte man auch noch einmal die Welt löblich erwähnen - oder besser gesagt die Herangehensweise an sie.

Denn nicht wie in anderen Büchern weiß man direkt nach den ersten 2 oder 3 Kapiteln wie die Welt aufgebaut ist oder funktioniert, nein, man erforscht sie im Prinzip und entdeckt sie Stück für Stück.


Oh ja, amen. Das muss man wirklich herausstreichen. Erikson ist Antropologe und Archäologe...das merkt man. Seine Welt atmet. Sie macht Sinn in sich. Die Völker sind realtistisch aufgebaut und ergeben ebenfalls Sinn...genau so wie die Geographie und all so Sachen. Zudem hat er mal wieder viel erfrischend Neues. Seine eigenen Rassen...keine Elfen und Zwerge...die sehr detailiert erarbeitet sind usw usf.

Zitat


Und jedesmal wenn eine Frage beantwortet wurde (Wer ist der Kerl? Warum hat der jetzt so gehandelt? Was sind das für Wesen?) tauchen gleich wieder zwei neue auf...


Ja, das gefällt mir auch sehr gut...Er beantwortet nicht nur einfach einige Fragen und dann sind die Personen abeschlossen, nein er baut auch auf den alten Figuren weiter auf...du magst zwar mal ein paar Antworten erhalten haben...aber meist tun sich mit diesem neuen Wissen dafür gleich wieder eine handvoll neuer Fragen auf.

Zitat


dadurch wird das Ganze nicht nur furchtbar spannend und interessant, es gibt der Welt auch einfach eine gewisse Substanz und Tiefe (zB wie bei Tolkien, bei dem man auch in die Welt gesogen wird und die ganzen Geschichten erfahren will, die hinter den Völkern, Ruinen usw stecken)


Ja, Amen! Genau das was ich oben auch versucht habe an zu deuten.

Es ist ne Achterbahnfahrt der Gefühl ein Buch von Erikson zu lesen...ich würd es mir unbedingt "antun"!
Mane of Chaos. Anomandaris. Lord of the Tiste Andii, who has looked down on a hundred thousand winters, who has tasted the blood of dragons, who leads the last of his kind, seated in the Throne of Sorrow and a kingdom tragic and fey.
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7

Mittwoch, 5. Juli 2006, 00:09

Eine kleine Ergänzung: Mich hat schon Gardens of the moon voll und ganz gepackt. Ich fand das Buch sogar um einiges besser als Deadhouse Gates. Auf diesem Forum hier schein ich aber damit eher allein zu stehen *g* Vielleicht seh ich das bei nem ersten Reread etwas anders aber beim ersten Mal fand ich DG einiges schwächer als Gotm... . Memories of Ice war dann der Hammer!
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8

Mittwoch, 5. Juli 2006, 00:14

Ich war auch schon direkt nach Gardens of the Moon gepackt. Aber der Knaller war Deadhouse Gates. Ist bis heute zusammen mit Memories of Ice mein absoluter Favorit.
"Der Mensch hat das Netz des Lebens nicht gewebt. Er ist nur ein Strang des Netzes, und was immer er dem Netz antut, tut er sich selbst an."

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9

Mittwoch, 5. Juli 2006, 00:31

Deadhouse Gates ist einfach nachwievor das Buch, das mich am stärksten mitgerissen hat und daher mein absoluter Liebling

Und ja, GotM hatte mich auch schon begeistert, aber, meiner Meinung nach, war er von der Süannung her nicht so gut wie die folgenden Bände
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Dilbert

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10

Mittwoch, 5. Juli 2006, 01:28

Mir hat Gardens of the Moon auch etwas besser gefallen als Deadhouse Gates. Du stehst nicht allein da mit Deiner Meinung, Anomandaris!
"Die Genialität seines Plans wurde nur durch die Dimension seines Scheiterns übertroffen"

11

Mittwoch, 5. Juli 2006, 02:57

Zitat

Original von frenchfries
Obwohl seine Welt also viel zynischer ist als etwa die eines Feist, ist sie nicht durchsetzt von sinnloser Gewalt – und wenn sie einmal verübt wird, dann rächt die sich eines Tages oder erfüllt irgendwo, irgendwann, eine Aufgabe.

Einspruch!
Entweder hab ich Dich falsch verstanden oder Du willst mir hier erzählen, dass z.B. die Gemetzel an der "Kette der Hunde" einen tieferen Sinn haben?
Das klingt mir jetzt aber ein bisschen zu sehr nach... *grübel* ...nach einer Rechtfertigung dieser Gewalt. Und das kann und will ich so nicht hinnehmen - wo kommen wir denn da hin?!

maschine

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12

Mittwoch, 5. Juli 2006, 03:19

Ich glaube das hast du ein wenig in den falschen Hals bekommen ;)

Frenchfries wird wohl eher gemeint haben, dass die Gewalt und ihre Darstellung/Beschreibung insofern nicht sinnlos ist, als dass sie eine Funktion hat.

Einmal aus atmosphärischer Sicht: es wird einfach die Gefahr in der die Leute schweben besser verdeutlicht, man bekommt ein Gefühl für ihren Horror, fiebert stärker mit und "verbrüdert" sich praktisch mit den Leuten.
Zumindest ist das meine Sicht.

Und außerdem hat auch von der Handlung her jede Grausamkeit ihre Auswirkungen, zuvor von den Malazanern begangene Grausamkeiten rächen sich bei der Chain of Dogs und diese Geschehnisse verursachen wiederum (mit) die fremdenfeindliche Stimmung in Bonehunters.

Es ist halt nicht einfach so, dass Erikson Gewalt einbringt um zu zeigen wie gut er Kämpfe beschreiben kann, wie toll doch sein Held ist oder weil Gewalt "cool" ist.
Wenn er Gewalt einbringt, dann aus einem Grund, sei es um die Skrupellosigkeit von Personen zu beschreiben (siehe Shadowthrone am Anfang von GotM) oder, wie bei Karsa, ihre Indifferenz anderen gegenüber, oder um Gefühle zu vermitteln (siehe Chain of Dogs) oder zu erklären (zB bei Felisin und Felisin Younger).
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13

Mittwoch, 5. Juli 2006, 05:24

Zitat

Original von maschine
Ich glaube das hast du ein wenig in den falschen Hals bekommen ;)

Deshalb hab ich ja nochmal nachgefragt... ;)

Zitat

Original von maschine
Es ist halt nicht einfach so, dass Erikson Gewalt einbringt um zu zeigen wie gut er Kämpfe beschreiben kann, wie toll doch sein Held ist oder weil Gewalt "cool" ist.

Hatte auch erst überlegt, ob ich meiner Hoffnung Ausdruck verleihen soll, dass dem so ist - mich dann aber erstmal für die kurze Antwort entschieden.
Denn wenn ich ehrlich sein soll - beim Thema Gewaltdarstellung wäre bei Erikson oftmal etwas weniger viel mehr... - mir ging es an einigen Stellen schon so, dass ich beim Lesen gedacht hab: 'Maaaan jaaa - ich hab doch begriffen, dass es übel ist - mach doch mal weiter mit der Handlung!'
Hatte ich beim ersten Buch stets ein Glas Wasser bei mir, weil mein Hals schon vom Lesen trocken wurde, so war es bei Buch 2 und 3 zusätzlich ein Lappen, um mir das Blut von den Händen zu wischen, das beim Umblättern aus den Seiten quoll. Außerdem taten mir andauernd die Füsse weh...
Erikson schreibt wirklich sehr anschaulich... ;)

maschine

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14

Mittwoch, 5. Juli 2006, 05:41

Naja, mich stört sowas eigentlich nur, wenn man wirklich merkt, dass die ganze Brutalität und so einfach (für das Buch) keinen rechten Sinn ergibt und nur um ihrer selbst Willen benutzt wird..das stieß mir wie gesagt auch bei J.V. JOnes ein wenig übel auf.

Vielleicht habe ich dabei auch einfach das Glück beim Lesen keine Bilder vor Augen zu haben *g*
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Anomandaris

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15

Mittwoch, 5. Juli 2006, 15:27

Zitat

Original von Quick Ben
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Ah, sehr sympathisch, QB, sehr sympathisch :D Ich fand GotM wirklich sehr gut... . DHG hat mich dagegen dann etwas enttäuscht. War ein abfall an Qualität mMn. Aber ist jetzt auch schon länger her... . Hatte wohl nach dem super Erstling einfach zu hohe Erwartungen an den zweiten Band.
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16

Donnerstag, 6. Juli 2006, 18:11

Vielleicht muss ich mich ja mal kurz selber erklären (obwohl maschine das bereits ganz gut gemacht hat :) ).

Eigentlich möcht ich ja noch ganz ungefragt eine ausführliche Kritik zu DG posten unter den "rezis". Ich muss mir das irgendwie von der Seele schreiben. Aber hier nur kurz zur Frage der Gewalt:

Tatsächlich habe auch ich es gegen Ende geradezu unerträglich gefunden, wie unvermeidlich und unaufhaltsam sich das Drama abspielt. Details lasse ich hier weg, von wegen Spoilers, aber die meisten hier wissen, was ich meine. Und mit "Sinn" meinte ich natürlich mitnichten, dass die Gewalt auch "sinnvoll", also nützlich sei. Aber sie erfüllte in der Geschichte eine Aufgabe. Sie bot den Hintergrund für Charaktere und Entwicklungen, die wir sonst nur aus der Gegenwartsliteratur kennen: Kriegsmüdigkeit, Elend, gebrochene Gestalten, Fanatismus. Dinge, die sonst der Antikriegsliteratur vorbehalten waren.

Es ist doch so: Fantasyautoren machen sich normalerweise nicht die Mühe, mir zu erklären, warum die "Armeen des Bösen" böse sind. Was "die andere Seite" antreibt. Sauron ist nicht fanatisch, er ist einfach böse. (Natürlich, ich kenne die Hintergründe, er ist ein "gefallener Engel", den Stolz und irregeleiteter Ehrgeiz verdorben haben, aber nicht alle HdR-Leser lesen danach auch noch das Silmarillion und die gesamte Sekundärliteratur. For the record: ich liebe Tolkien.) Die Orks? Verderbte Geschöpfe. Die Ostlinge? Die Südländer? Die greifen einfach an. Irregeleitet. Shit happens.

Nun haben wir aber nicht mehr 1954. Von einem Autor unserer Zeit erwarte ich einfach mehr. Und Erikson liefert es mir: Was unterscheidet das Malazanische Imperium und seine Armeen vom Wirbelwind? Was treibt Sha'ik an? War der Aufstand richtig? Oder lag vielmehr Kellanved richtig, als er den Kontinent unterwarf? Wer ist hier gerecht und wer verbrecherisch? Erikson lässt es mich erfahren und das auf drastische Weise. Und er pflanzt sogleich und ständig Zweifel, ob ich mit meinen Einschätzungen richtig liege: über Laseen, über Kellanved, über Sha'ik, über Tavore, über Coltaine usw.

Das meinte ich mit Gewalt, die einen Zweck hat, einen literarischen, nämlich. Niemand würde doch Erich Maria Remarque zynisch nennen, weil er seine Figuren literarisch in den Ersten Weltkrieg versetzt. Er hat den Krieg ja nicht erfunden. Erikson "erfindet" einen Krieg. Er "erfindet" Völkermord. Als ob wir in der Welt nicht genug Gewalt hätten, nicht? Aber er findet, wenn wir schon Fantasy mit Armeen und Helden lesen, dann müssen wir diesen Helden einen Hintergrund geben, vor denen ihre Handlungen glaubwürdig sind. Denn nur dann fühlen wir mit ihnen.

Und mit unseren Helden fühlen und leiden und uns freuen und uns fürchten wollen wir ja. Auch wenn sie umgeben sind von Dämonen, Drachen und Magiern. Realistische Fantasy. Ein Anspruch, den Tolkien einst geweckt hatte, seine Nachfolger aber nach und nach wieder aufgegeben haben. Erikson hat den Anspruch erfüllt, wie ich das noch nicht erlebt habe.
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17

Freitag, 7. Juli 2006, 04:53

Okay, damit komm ich klar - das kann ich nachvollziehen.
Sorry für die Nachfrage, aber in dieser unserer Welt wird nur allzu oft Gewalt an sich mit fadenscheinigen Gründen versucht zu rechtfertigen und daher reagiere ich dann ab und zu etwas empfindlich.

frenchfries

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18

Freitag, 7. Juli 2006, 14:58

Gewalt ist keine Lösung. Ich seh das ebenso wie du. Der einzige Sinn, den Gewalt je haben kann, ist in der Literatur – und zwar, wenn sie gebrochen wird. Am bewegendsten sind die malazanischen Soldaten, und alle anderen, wenn sie sich aufopfern und Mitgefühl zeigen. Wie am Ende von DG.

Ich muss sagen, nach Beendigung von GotM habe ich nicht ganz begriffen, was Erikson meinte, als er von "humane fantasy" sprach. Jetzt weiss ichs.
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19

Montag, 20. August 2007, 23:20

RE: Ist die Serie die richtige für mich?

Mir hat Gardens of the Moon überhaupt nicht gefallen, habe deshalb wieder mit der Serie aufgehört! Die Handlung ist viel zu sehr an den Haaren herbeigezogen... viel zu absurd das Ganze! aber kannst es ja mal ausprobieren!

Kruppe

Den Vortrefflichen, nennen mich manche

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20

Montag, 20. August 2007, 23:34

RE: Ist die Serie die richtige für mich?

Zitat

Original von grrr
Mir hat Gardens of the Moon überhaupt nicht gefallen, habe deshalb wieder mit der Serie aufgehört! Die Handlung ist viel zu sehr an den Haaren herbeigezogen... viel zu absurd das Ganze! aber kannst es ja mal ausprobieren!


Ich glaub das Genre nennt sich Fantasy....
"The Streets are crowded with lies these days" - MC Tay
"Welch greifbares Vonsinnensein!", rief Kruppe. "Vonsinnensein? Gibt es ein solches Wort? Wenn nicht, dann müssen wir Kruppes zahllosen Talenten noch linguistische Erfindungen hinzufügen."